Overview

A portrait need not rely on a clearly defined likeness to convey a sense of presence. Memories and emotions registered in a face, along with the relationships that shape a life, offer further ways of understanding a person. At times, a portrait tells us more through color than contour, gesture than facial expression, or material traces than descriptive detail. Opening on October 31 at THE THIRD Leipzig, PORTRAITS brings together five artists. Looking beyond physical resemblance, the exhibition considers how different experiences give a figure its form and presence.

 

Line and color become a means of reshaping the figure, not simply describing it. Adrian Buschmann moves between figuration and abstraction, allowing both the figure and its identity to remain fluid. For him, a portrait is a space where different roles and guises intersect, rather than a representation of a fixed self. Faces emerge faintly amid rough, smeared lines and layers of paint. Their contours merge with the ground or disappear beneath overpainting, suggesting a presence that cannot be confined to a single form. Maria Schumacher likewise reconfigures the figure through color and pattern. Faces and bodies break into small planes of color that mingle with repeating grids and geometric motifs, shifting between recognizable figures and abstract arrangements of color. These patterns do more than fragment the figure. Their rhythms create a psychological space, infusing the entire composition with solitude and anxiety, love and connection.

 

In Yeonsu Ju’s paintings, memory and relationships overlap within the figure. Drawing on gijesa, a Korean memorial rite honoring the deceased, she overlays her own likeness with traces of those she has lost. Lines and colors extend in multiple directions, while overlapping bodies bring memories of different lives into contact. Ju portrays figures shaped by their relationships with others, rather than recording individual identities in isolation. Her paintings are less an attempt to recreate a complete image of the departed than a ritual enacted in paint, a way of encountering them again through memory.

 

Hyunjoong Im draws on the mechanical imagery of older science fiction films and animated robot characters to construct portraits of an accelerating present. His subjects are not based on specific human models; they are unfamiliar bodies assembled from armor, helmets, and complex machinery. His labor-intensive application of paint counters the smoothness of these forms. Thick layers of pigment accumulate on the canvas, lending their cold, artificial exteriors the distinctive texture and weight of painting. This painterly vitality becomes a line of defense against the pressures of contemporary life.

 

Where the other four artists use brushwork to redefine how a portrait conveys presence, Erik Swars turns to the material conditions under which portraits are recorded and transmitted as images. On industrial panels of wood, aluminum, and steel, he builds up figures in successive screenprinted layers. Mechanical processes and halftone dots take the place of brushstrokes. Facial features fragment or recede behind the cool texture of the print, raising a fundamental question: what constitutes the person we see in an image?

 


 

Ein Porträt muss nicht auf einer klar erkennbaren Ähnlichkeit beruhen, um Präsenz zu vermitteln. Erinnerungen und Emotionen, die sich in einem Gesicht eingeschrieben haben, ebenso wie die Beziehungen, die ein Leben prägen, eröffnen weitere Möglichkeiten, einen Menschen zu verstehen. Mitunter erzählt ein Porträt mehr durch Farbe als durch Kontur, durch Gestik statt durch Mimik oder durch materielle Spuren statt durch beschreibende Details. Die am 31. Oktober in der THE THIRD Leipzig eröffnende Ausstellung PORTRAITS vereint fünf Künstler:innen. Jenseits der körperlichen Ähnlichkeit untersucht sie, wie unterschiedliche Erfahrungen einer Figur ihre Form und Präsenz verleihen.

 

Linie und Farbe werden zu Mitteln, die Figur neu zu gestalten, anstatt sie lediglich abzubilden. Adrian Buschmann bewegt sich zwischen Figuration und Abstraktion und lässt dabei sowohl die Figur als auch ihre Identität im Wandel bleiben. Für ihn ist das Porträt ein Raum, in dem unterschiedliche Rollen und Erscheinungsformen aufeinandertreffen, statt ein festgeschriebenes Selbst darzustellen. Gesichter treten schemenhaft zwischen rauen, verwischten Linien und Farbschichten hervor. Ihre Konturen verschmelzen mit dem Bildgrund oder verschwinden unter Übermalungen – ein Hinweis auf eine Präsenz, die sich nicht auf eine einzige Form festlegen lässt. Auch Maria Schumacher gestaltet die Figur durch Farbe und Muster neu. Gesichter und Körper zerfallen in kleine Farbflächen, die sich mit wiederkehrenden Rastern und geometrischen Motiven verbinden. So bewegen sich die Darstellungen zwischen erkennbaren Figuren und abstrakten Farbkompositionen. Die Muster fragmentieren die Figur jedoch nicht nur. Ihre Rhythmen erzeugen einen psychologischen Raum, der die gesamte Komposition mit Einsamkeit und Angst, Liebe und Verbundenheit durchdringt.

 

In den Gemälden von Yeonsu Ju überlagern sich Erinnerungen und Beziehungen innerhalb der Figur. Ausgehend vom Gijesa, einem koreanischen Gedenkritual zu Ehren Verstorbener, überlagert sie ihr eigenes Abbild mit den Spuren jener Menschen, die sie verloren hat. Linien und Farben breiten sich in unterschiedliche Richtungen aus, während sich überlagernde Körper Erinnerungen an verschiedene Leben miteinander in Berührung bringen. Ju zeigt Figuren, die durch ihre Beziehungen zu anderen geprägt sind, anstatt individuelle Identitäten isoliert festzuhalten. Ihre Gemälde sind weniger der Versuch, ein vollständiges Bild der Verstorbenen wiederherzustellen, als vielmehr ein in Farbe vollzogenes Ritual – eine Möglichkeit, ihnen durch die Erinnerung erneut zu begegnen.

 

Hyunjoong Im greift auf die mechanischen Bildwelten älterer Science-Fiction-Filme und animierte Roboterfiguren zurück, um Porträts einer sich beschleunigenden Gegenwart zu entwerfen. Seine Motive basieren nicht auf konkreten menschlichen Vorbildern. Vielmehr handelt es sich um fremdartige Körper, zusammengesetzt aus Rüstungen, Helmen und komplexen Maschinenelementen. Die arbeitsintensive Art seines Farbauftrags setzt der Glätte dieser Formen etwas entgegen. Dicke Pigmentschichten lagern sich auf der Leinwand ab und verleihen ihren kühlen, künstlichen Oberflächen die unverwechselbare Textur und das Gewicht der Malerei. Diese malerische Lebendigkeit wird zu einer Form der Abwehr gegenüber den Belastungen des gegenwärtigen Lebens.

 

Während die anderen vier Künstler:innen den Pinselstrich nutzen, um neu zu bestimmen, wie ein Porträt Präsenz vermittelt, richtet Erik Swars den Blick auf die materiellen Bedingungen, unter denen Porträts als Bilder festgehalten und übermittelt werden. Auf industriell gefertigten Platten aus Holz, Aluminium und Stahl baut er Figuren in mehreren aufeinanderfolgenden Siebdruckschichten auf. Mechanische Verfahren und Rasterpunkte treten an die Stelle des Pinselstrichs. Gesichtszüge zerfallen oder treten hinter der kühlen Textur des Drucks zurück und werfen damit eine grundlegende Frage auf: Was macht die Person aus, die wir in einem Bild zu sehen glauben?

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